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Die Editionen

Während des Wintersemesters 2011/2012 sollten in einer Übung unter dem Titel "Probleme bei der Edition mittelalterlicher Texte" die Schwierigkeiten bei der Erstellung einer Edition von mittelalterlichen Texten näher beleuchtet werden. Die Endprodukte dieser Arbeit sind auf den folgenden Seiten zu sehen. Die an der Übung beteiligten Studenten stellen hier nun ihre eigene Edition von Reinmars Lied "ein wîser man" vor. Diese unterliegen verschiedenen Prinzipen, welche jeweils dargelegt und erläutert werden.

Sebastian Adler

Jenny Heiden

Adler

Ein leichter Einstieg in die Lyrik des Mittelalters

Die hier vorgelegte Edition des Textes soll dem noch unerfahrenen Leser einen möglichste leichten Einstieg in die Lyrik des Mittelaters – mit all ihren Besonderheiten und Schwierigkeiten – bieten, ohne jedoch zu abschreckend und kompliziert zu wirken. Daher wurde besondere Aufmerksamkeit auf eine möglichst gute Mischung aus Lesbarkeit und Textnähe gelegt. Ein Großteil der für das Mittelhochdeutsche typischen Sonderzeichen wurde aufgelöst, nicht zuletzt, um Darstellungsprobleme zu vermeiden. Solche Zeichen, die auch heute noch als geläufig gelten oder bekannt sind, wurden beibehalten. Die Interpunktion wurde, wo es ohne große Schwierigkeiten zu bereiten möglich war, an die moderne angepasst. Hierbei wurde das Inventar auf Punkt und Komma beschränkt, um möglichst keine Interpretation vorweg zu nehmen, was ohnehin schon durch die gesetzte Interpunktion geschieht.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass der vorliegende Text in verschiedenen Varianten und damit verbunden auch mit unterschiedlicher Strophenzahl und -reihenfolge überliefert ist. Die Wahl der Textgrundlage für die Edition fiel auf die Handschrift A, da sie mir als eine der einfachsten und somit unproblematischten erschien.

Es verbessert so zwar die Lesbarkeit und mit ihr die Verständlichkeit des Werkes, demgegenüber steht die weitere Entfernung des Editionstextes vom Originaltext. Mit Blick auf die Zielguppe der Edition mag der erfahrene Mediävist hier Nachsicht walten lassen.

Auf die Mitgabe einer Übersetzung wurde bewusst verzichtet, um die Auseinandersetzung mit dem Text nicht allzu einfach zu gestalten. Zwar soll die Edition den Leser an die Lyrik des Mittelalters möglichst einfach heranführen, die Auseinandersetzung mit und Interpretation des Werkes aber nicht gänzlich abnehmen. Angehende Studierende mittelalterlicher Literatur sollen an einem kleinen Beispiel die großen Spielräume der Textauslegung selbst erkennen und erfahren können, ohne durch eine bereits vorhandene Übertragung in das Neuhochdeutsche zum bloßen Konsum verleitet zu werden.

Das Studium des Originaltextes, oder zumindest der originalgetreueren Versionen ist für eine eingehende Beschäftigung mit dem Material somit weiterhin unumgänglich. Wenn die vorliegende Edition dazu einen Anreiz liefern kann, so ist ihr Zweck bereits zur vollsten Zufriedenheit erfüllt.


Heiden

Vorwort

In dieser Edition wird ein Lied des Minnegesang-Lyrikers Reinmar vorgestellt. Reinmar stellt neben Morungen und Walter von der Vogelweide einen Vertreter des klassischen Minnesangs dar. Von Reinmar selbst ist kein Herkunftsort bekannt, wahrscheinlich aber wirkte er am Babenberger Hof in Wien1. Der Entstehungsort der Handschriften ist hingegen ermittelt. Handschrift A, die kleine 'Heidelberger Liederhandschrift', entstand vermutlich im 13. Jahrhunderts in Straßburg, Hs. B, 'Weingartner Liederhandschrift' im ersten Viertel des 14. Jahrhunderts in Konstanz und Hs. C, die große 'Heidelberger Liederhandschrift', in Zürich im gleichen Zeitraum wie Hs. B. Hs. E, die 'Würzburger Liederhandschrift', ist die jüngste Hs. Sie ist zwischen 1345 und 1354 in Würzburg entstanden.

Auffallend bei allen vier Handschriften ist die große Varianz auf Ebene des Liedes. Keine Handschrift folgt der anderen in der Reihenfolge der Strophen. Dies mag damit zusammenhängen, dass Reinmars Lied „wie so viele Minnelieder aus inhaltlich abgeschlossenen, thematisch etwas heterogenen Einzelstrophen“2 besteht und somit der abschreibenden Person freie Hand lässt, die Strophen neu anzuordnen und dem Lied damit einen anderen „Grundtenor“3 zu geben. Die Verse folgen metrischen Grundsätzen, die in dieser Edition aber nicht weiter befolgt werden4.

Das Lied selbst beschäftigt sich mit dem Kommen und Gehen der Liebe und zieht dabei bittere Bilanz. Je nach Variante bietet der Text entweder düstere Zukunftsaussichten und Resignation oder einen melancholisch-heiteren Umgang mit dem Vergehen der Liebe.

Diese Edition ist aus den Ansprüchen erwachsen, die die Verfasserin dieses Vorworts selbst an einen Text stellt, den sie liest. Sie erwartet Transparenz und gute Lesbarkeit von einer Edition. Letzteres bedeutet auch, dass die Edition leicht zugänglich ist und sich in dem Zusammenhang auch der Apparat quasi von selbst erklärt. Ersteres beinhaltet nicht nur die Transparenz des Arbeitsprozesses, sondern dass Erfindungen, „Glättungen“ und willkürliche Zusammenstellungen der Strophen ausgeschlossen sind. Denn wer solch einem Text wie Reinmars Gedicht begegnet, ohne sich jemals mit Editionen näher beschäftigt zu haben oder nur die Einführungen gründlich gelesen zu haben, wird erwarten, genau das zu lesen, was in den Handschriften ebenso geschrieben steht. Aus diesem Grund werden in diese Edition auch alle orthographischen und lautlichen Besonderheiten mit aufgenommen.


Pauline Koester

Rebecca Pruß

Koester

Projekt 'Edition' - didaktische Aufbereitung einer Edition am Beispiel Reinmars

Diese Ausarbeitung stellt keine reine Edition von Reinmars Gedicht dar, sondern ist ein didaktisches Modell zu deren Behandlung im Deutsch- und/oder Geschichtsunterricht bzw. im Rahmen eines Projekttages. Transkription und Edition des Gedichtes dienen hier also ‚nur' als praktische Beispiele. Die Heidelberger Manesse (Handschrift C) wurde dabei in den Vordergrund gestellt, da sie einen der bekanntesten Überlieferungsträger darstellt und insofern für die Behandlung im Unterricht besonders geeignet ist.

Neben die Edition der Handschriften tritt so eine sehr umfassende Kontextualisierung – vom groben Umreißen der Geschichte des Hochmittelalters über grundlegende Informationen zur Gestaltung einer Edition bis hin zu Überblicksdarstellungen zu Biographie und Werk Reinmars des Alten. Daneben finden Sie auch zahlreiche Aufgabenmöglichkeiten. All das ist in ‚Modulen‘ gestaltet, die individuell zusammengestellt oder auch in anderen Zusammenhängen genutzt werden können, sodass insgesamt ein sehr offenes und vielseitiges Angebot entsteht.

Die Transkription an sich erfolgte dabei möglichst handschriftennah. Um Schülern den editorischen Prozess aufzuzeigen und ihnen einen Überblick über die Gestaltungsmöglichkeiten einer Edition zu bieten, wurden aber insgesamt verschiedene Darstellungen gewählt. Ziel war es, möglichst jedes mögliche Material zur Behandlung einer Edition im Unterricht zusammenzustellen, um Lehrerinnen und Lehrern die Arbeit zu erleichtern und zugleich Anreize zu bieten.


Pruß

Von der mittelalterlichen Handschrift bis zum neuhochdeutschen Text

Hauptcharakteristikum dieser Edition ist die Lesbarkeit des Liedes sowie der Nutzen für Laien oder die wissenschaftliche Arbeit. Dementsprechend wird neben einer ausführlichen historischen Kontextualisierung und einigen Literaturangaben der größte Wert auf die Übersichtlichkeit der verschiedenen Varianten gelegt.

Des Weiteren soll der Weg von der Handschrift zum endgültigen Produkt gezeigt werden, indem zunächst die originalen Strophen in den verschiedenen Handschriften neben der digitalen Transkription gezeigt werden. Anschließend werden diese Transkriptionen unter Auflösung einiger Sonderzeichen, die das Lesen erschweren, parallel zur neuhochdeutschen Übersetzung zu sehen sein, um einen optimalen Überblick über die Entwicklung von der mittelhochdeutschen Handschrift zum neuhochdeutschen Text zu bieten.


 

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