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Mit der Rede von einer Produktion im Netzwerk ist nicht nur die Wahl einer bestimmten Organisationsform ökonomischer Aktivitäten impliziert, sondern auch die notwendige, praktische Ausgestaltung und Steuerung des Netzwerkes durch das Management. Im funktionalen Sinne bezeichnet Netzwerkmanagement die Praktiken, mit denen der Versuch unternommen wird, die Netzwerkentwicklung und damit die Strukturation des relativ polyzentrischen Systems Unternehmungsnetzwerk reflexiv zu steuern. Dabei gilt es die Interessen der im Netzwerk eingebundenen und kooperierenden Unternehmungen zu berücksichtigen. Vier wichtige Funktionen des Netzwerkmanagements werden unterschieden:

  1. Bei der Selektionsfunktion geht es insbesondere um die Frage, wer und was ins (im) Netzwerk aufgenommen werden (bzw. dort verbleiben) soll. Neben der Auswahl geeigneter Netzwerkmitglieder im Hinblick auf zumeist komplementäre Kompetenzen und mehr oder weniger gemeinsame Ziele kommt es bei der Selektion insbesondere darauf an, die Domäne der Zusammenarbeit im Netzwerk festzulegen. Die entsprechenden Selektionen haben ein kaum zu überschätzendes Vorsteuerungspotential für die Aktivitäten des Netzwerks, stellen aber zugleich kontinuierlich wahrzunehmende Aufgaben dar. Auf Seiten des Auswählenden setzt die Selektion eine entsprechende Beurteilungskompetenz voraus.

  2. Bei der Allokationsfunktion steht die Frage im Zentrum, wie die Aufgaben, Ressourcen und Verantwortlichkeiten im Netzwerk verteilt werden sollen. Diese Zuteilung wird im Regelfall entsprechend der spezifischen Kompetenzen der Unternehmungen im Netzwerk erfolgen und zwar zumindest in regionalen Netzwerken in einem eher gleichberechtigten Verhandlungs- oder Wettbewerbsprozess. Die Flexibilität von Netzwerken gründet sich nicht zuletzt in der Möglichkeit zur Re-Allokation der Aufgaben und Ressourcen im Netzwerk, sodass auch die Allokation fortdauernd als Funktion zu bewältigen ist.

  3. Die Regulationsfunktion fokussiert die Frage, wie und worüber die Erledigung der Aufgaben und die Verteilung der Ressourcen aufeinander abgestimmt werden. Bei dieser Frage geht es um die Entwicklung und Durchsetzung von Regeln der Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Hilfe formaler Verträge oder auch mittels informeller Routinen. Das Zusammenspiel formaler und informaler Regeln gilt es immer wieder aufeinander abzustimmen. Selbst Anreizsysteme sowie das Konflikt-, Informations- und Wissensmanagement sind fortlaufend zu regulieren und immer wieder den sich im Netzwerk verändernden Verhältnissen anzupassen.

  4. Bei der Evaluationsfunktion geht es schließlich um Fragen, wie Kosten und Nutzen im Netzwerkzusammenhang bestimmt und verteilt werden sollen. Die immer wieder vorzunehmende Beurteilung der Aktivitäten innerhalb eines Netzwerks (Beurteilungskompetenz) – sei es durch formale Evaluation oder ein eher implizites „reflexive monitoring“ (Giddens) – kann sich auf das gesamte Netzwerk, auf einzelne Beziehungen im Netzwerk oder auf einzelne Netzwerkmitglieder und deren Leistungsbeiträge zum Netzwerkerfolg erstrecken, aber auch eine Evaluation der Evaluation ist von Zeit zu Zeit angesagt.

Neben diesen vier Funktionen ließe sich noch eine Reihe weiterer Aufgaben und Probleme identifizieren, die typisch Gegenstand des Netzwerkmanagements sind. Zum Beispiel ist in Netzwerken ein quer zu den anderen Funktionen liegendes Grenzmanagement zu leisten. Bei allen Netzwerkmanagementfunktionen kommt es auf die tatsächliche Ausgestaltung des Unternehmungsnetzwerks durch Managementpraktiken an, das heißt auf die wiederkehrenden, oft routinehaften Handlungen des Managements. Mittels Praktiken (re-)produziert das Management die Netzwerkstrukturen, muss sich dabei aber auch gleichzeitig auf sie beziehen.

Im institutionellen Verständnis bezeichnet Netzwerkmanagement die Personen bzw. Instanz(en), die die vier näher betrachteten Managementfunktionen wahrnehmen. Einen geringen Institutionalisierungsgrad weist das Netzwerkmanagement beispielsweise dann auf, wenn die genannten Funktionen vom Management einer Netzwerkunternehmung (ebenfalls im institutionellen Sinne) dezentral und nur ‚nebenbei‘ wahrgenommen werden. Ein höherer Grad an Institutionalisierung spiegelt sich hingegen in der Ausdifferenzierung besonderer Stellen oder Abteilungen (sei es auf Unternehmungs-, sei es auf Geschäftsbereichsebene), in der Ausgründung einer auf das Netzwerkmanagement spezialisierten Organisationseinheit oder im Einsatz speziell auf Netzwerkentwicklung abzielender Methoden und Instrumente wider.

 

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