Die Nutzung verschiedener Prüfungsversionen ist fester Bestandteil von klassischen Großkohortenprüfungen. Prüflingen soll es dabei erschwert werden, Lösungen miteinander zu teilen oder sich diese durch Abschreiben zu erhalten. Im digitalen Distanzsetting ist die klassische Nutzung von Prüfungsversionen weniger effektiv. Zwar werden damit Absprachen erschwert, da zuerst Kommiliton:innen mit der gleichen Version gefunden werden müssen. Sobald diese gefunden wurden, ist jedoch die Nutzung von verschiedenen Versionen nur noch wenig wirksam, um Absprachen zu verhindern.

    Das Format E-Examinations@Home erlaubt jedoch einen noch höheren Grad der Individualisierung in der Nutzung von Prüfungsversionen. Hierbei werden nicht verschiedene vollständige Prüfungsversionen generiert, sondern es ist möglich, jede Aufgabe individuell für Prüflinge auszuwählen und damit hochindividualisierte Prüfungsversionen zu entwerfen.

    Beispiel: es wird ein Aufgabenset mit 40 Aufgaben angelegt. Studierende müssen in der Prüfung jedoch nur 20 Aufgaben beantworten. Nun werden aus dem vollen Set 20 Aufgaben zufällig ausgewählt. Studierende müssten sich demnach bei jeder Aufgabe erneut abstimmen. Dies erhöht die benötigten Ressourcen zur Absprache enorm und macht den Aufwand zur Täuschung daher deutlich unattraktiver.

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      Die vollständige Randomisierung aller Aufgaben aus einem Pool entspricht dabei jedoch selten den tatsächlichen Prüfungsmodalitäten. Prüfungen bestehen zumeist aus verschiedenen Aufgabentypen mit abweichenden Kompetenzzielen und Schwierigkeitsgraden. Daher ist es auch möglich, Aufgaben-Subsets zufällig zu ziehen.

      Ein Beispiel: Ihre Prüfung besteht aus drei Teilen:

      1. Teil: 20 Multiple-Choice-Aufgaben (aus 40 Aufgaben)
      2. Teil 10 Kurzantworten (aus 20 Aufgaben)
      3. Teil: 1 Essay (aus 3 Aufgaben)


      Sie haben nun die Möglichkeit, für jeden Teil einen individuellen Aufgabenpool zu entwerfen, aus dem jeweils die 20 MC-Aufgaben, die 10 Kurzantwortaufgaben und der Essay gezogen werden. Sie können somit trotz pluraler Aufgabenformate, verschiedener Kompetenzmessungen etc. Zufallsziehungen ermöglichen.

      Dabei kann die Aufsplittung der Aufgabenpools noch weiter individualisiert werden. So können verschiedene Aufgabenpools für verschiedene Themengebiete und, wenn gewünscht, auch noch innerhalb der Themengebiete Unterthemen oder Aufgabengruppen mit den jeweiligen Aufgabenpools generiert werden.

      Ein Beispiel:

      1. Teil: Didaktik der Geschichtswissenschaft
        1. 5 Multiple-Choice-Aufgaben (aus 20 Aufgaben)
        2. 3 Drop-Down-Aufgaben (aus 15 Aufgaben)
        3. 1 Essay (aus 4 Aufgaben)
      2. Teil: Propädeutik der Geschichtswissenschaft
        1. 3 Multiple-Choice-Aufgaben (aus 20 Aufgaben)
        2. 1 Essay (aus 3 Aufgaben)


      Eine weitere Möglichkeit der Unterteilung bietet die Ziehung von Aufgaben auf Basis Ihrer (eingeschätzten oder empirisch erfassten) Schwierigkeit. Ähnlich wie auf Basis von Themen Aufgabenpools angelegt werden können, können diese auch in Schwierigkeitskategorien eingeordnet werden.

      Ein Beispiel:

      1. Teil: Didaktik der Geschichtswissenschaft
        1. 5 einfache Aufgaben (Schwierigkeit > .8)
        2. 8 mittelschwere Aufgaben ( .2 < Schwierigkeit < .8)
        3. 3 schwere Aufgaben (Schwierigkeit <.2)

      Sie können auch all diese Ebenen und Aspekte kombinieren:

      Ein Beispiel:

      1. Teil: Didaktik der Geschichtswissenschaft
        1. 5 Multiple-Choice-Aufgaben
          1. 2 einfache Aufgaben
          2. 2 mittelschwere Aufgaben
          3. 1 schwere Aufgabe
        2. 3 Drop-Down-Aufgaben
          1. 1 einfache Aufgabe
          2. 1 mittelschwere Aufgabe
          3. 1 schwere Aufgabe
        3. 1 Essay
          1. 1 mittelschwere Aufgabe
      2. Teil: Propädeutik der Geschichtswissenschaft
        1. 3 Multiple-Choice-Aufgaben
          1. 1 einfache Aufgabe
          2. 1 mittelschwere Aufgabe
          3. 1 schwere Aufgabe
        2. 1 Essay
          1. 1 schwere Aufgabe

      Somit können Zufallsziehungen lokal eingegrenzt werden und trotzdem ein hohes Maß an Individualisierung und damit Robustheit gegenüber Absprachen bieten.

        Da aufgrund der individualisierten Ziehung der Aufgaben jede:r Studierende eine unterschiedliche Prüfungsversion erhält, ist es rechtlich zwingend notwendig, dass die Prüfung von mindestens zwei Prüfer:innen abgenommen wurde. Dabei muss vor allem sichergestellt werden, dass die jeweiligen Aufgabenversionen eines Subsets die gleiche Komplexität und Schwierigkeit aufweisen.

        Weichen bspw. zwei Versionen einer Rechenaufgabe soweit voneinander ab, dass zur Bearbeitung der zweiten Aufgabenversion 10 Minuten mehr benötigt werden, so ist hier die Gleichwertigkeit der Aufgabenversionen nicht mehr gegeben.

          Die Erstellung multipler Aufgabenversionen beansprucht mehr Zeit und ist aufwendiger als die Erstellung von nur einer einzelnen Version. Jedoch kann Zeit gespart werden, indem für die Erstellung von Aufgaben der grundsätzlich gleiche Aufbau gewählt wird, diese sich aber durch austauschbare Parameter unterscheiden, welche bei der Erstellung der Aufgabenvarianten einfach angepasst werden.

          Ein Beispiel:

          Aufgabe V1:

          Frau Hertz kauft 3 Äpfel, 4 Birnen und eine Melone.


          Wie viel Stück Obst hat Frau Hertz gekauft?

          Antwort: 8

          Aufgabe V2:

          Frau Hertz kauft 5 Äpfel, 7 Birnen und 2 Melonen.


          Wie viel Stück Obst hat Frau Hertz gekauft?

          Antwort: 14

          Aufgabe V3:

          Frau Hertz kauft 2 Äpfel, 3 Birnen und eine Melone.


          Wie viel Stück Obst hat Frau Hertz gekauft?

          Antwort: 6

          Dieses stark vereinfachte Beispiel zeigt, dass durch Nutzung von Parametern unkompliziert und ohne viel Aufwand verschiedene Versionen einer Aufgabe angelegt werden können. Bei komplexeren Beispielen unterscheiden sich die Lösungswege dann soweit, dass ein Austausch zwischen den Studierenden aufwändig und wenig zielführend wird.

            Oftmals bauen verschiedene Aufgaben aufeinander auf oder beziehen sich aufeinander. Auch in diesen Fällen ist eine Zufallsziehung mit verschiedenen Versionen von Aufgabensets möglich. In diesen Fällen wird dann immer das vollständige Aufgabenset einer Version gezogen.



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