Hybride Settings verändern die Lehr- und Lernerfahrung. Hier konzentrieren wir uns hauptsächlich auf die Veränderungen und Herausforderungen aus der Perspektive der Lehrenden. Doch hybride Settings bedeuten neben einer höheren Flexibilität auch bestimmte Herausforderungen für die Studierenden (z. B. Selbstregulierung und Aufmerksamkeit/Konzentration). Lehrende sollten diese veränderten Bedingungen der Lernenden entsprechend in der Lehrplanung zu berücksichtigen. Nicht alle Methoden, die Sie bislang in klassischen Lehr-Lern-Settings angewandt haben, funktionieren auch in der hybriden Lehre. Dennoch muss der Methodenkatalog nicht neu erfunden werden. Im Gegenteil gilt es, gezielt Anpassungen vorzunehmen, um auch im hybriden Modus erfolgreich zu sein.

Methodenwahl

Für den gelungenen Einsatz hybrider Lehr-Lern-Methoden beachten Sie bitte folgende Hinweise:

(tick) Hybride Settings erfordern Methoden, die in physischen und virtuellen Räumen gleichermaßen gut funktionieren. 

(tick) Manchmal kann es notwendig werden, je nach Raum zwei oder mehrere unterschiedliche Methoden zu verwenden, um Lernziele zu erreichen.

(tick) Oft können Methoden, die für den virtuellen Raum geeignet sind, auch im physischen Raum eingesetzt werden, während das Gegenteil nicht immer der Fall ist.

(tick) Dementsprechend kann es sinnvoll sein, zunächst für den virtuellen Raum zu planen und diese Planung gegebenenfalls an den physischen Raum anzupassen.

(tick) Wenn Sie Methoden für den hybriden Modus adaptieren möchten, wählen Sie zunächst eher einfache Methoden, die Sie bereits erprobt haben.

Maximale Flexibilität mit dem HyFlex-Modell!

Um Studierenden (z.B. im Sinne barrierearmer Studienangebote) nicht nur eine orts- sondern auch eine zeitunabhängige Teilnahme zu ermöglichen, bietet sich das HyFlex-Modell an. Dabei werden zusätzlich zur synchronen Hybridlehre Selbstlerneinheiten zur Verfügung gestellt, damit die Studierenden die Inhalte einzelner Sitzungen (oder nach Wahl auch der gesamten Lehrveranstaltung) selbständig bearbeiten können. Das HyFlex-Modell erfordert etwas mehr Vorbereitungs- und Planungszeit, um die Lerneinheiten für das Selbststudium zu gestalten. Es eignet sich grundsätzlich für alle Lehrveranstaltungstypen (Vorlesung, Seminar, Übung). Es bietet sich vor allem für zyklisch wiederkehrende Lehrveranstaltungen an, weil die Lerneinheiten für das Selbststudium, sobald sie einmal erstellt sind, nur mehr geringfügig angepasst werden müssen.

Lernvideos im HyFlex-Modell

Wenn Sie zur Ermöglichung von Selbstlerneinheiten Lernvideos zur Verfügung stellen möchten, empfehlen wir grundsätzlich die separate Erstellung von Lernvideos, zum Beispiel mittels Bildschirmaufzeichnung. Solche Lernvideos dienen dazu, den Studierenden die Aneignung von Wissen und das Verstehen von Sachverhalten zu ermöglichen und sie für die Anwendung des Erlernten entsprechend vorzubereiten. Beachten Sie bitte, dass das Aufzeichnen der Webex-Videokonferenz bzw. der Lehrveranstaltung vor Ort nur unter der Bedingung möglich ist, dass Studierende (vor Ort und online) nicht mit aufgezeichnet werden. Hier ist es wichtig, alle Beteiligten über die stattfindende Aufzeichnung zu informieren und mit ihnen vorab zu klären, dass Fragen zum Vortrag erst im Anschluss an die Aufzeichnung besprochen werden können. Bezüglich der datenschutzrechtlichen Zusammenhänge beachten Sie bitte unsere Checkliste zur Datenverarbeitung sowie das Dokument zu den Informationspflichten im Rahmen der DSGVO.

Raumübergreifende Kommunikation

Raumübergreifende Kommunikation meint, dass die Lehrperson sowohl im physischen als auch im virtuellen Raum kommunizieren muss. Es ist wichtig, die Studierenden kontinuierlich über die gesamte Dauer der Veranstaltung in beiden Räumen anzusprechen und sie bei Fragen separat zu adressieren. Die duale Ansprache schafft ein Bewusstsein für die Hybridität des Raumes und verstärkt die gegenseitige Sichtbarkeit. Wenn es zwei Lehrpersonen gibt, könnte es sinnvoll sein, sich auf beide Räume zu verteilen, um so sowohl aus dem physischen als auch aus dem virtuellen Raum zu sprechen.

Für eine gelungene raumübergreifende Kommunikation kann folgende Checkliste hilfreich sein:

(tick) Überlegen Sie sich für bestimmte Situationen (z. B. Begrüßung, Einstieg und Abschluss von Themenabschnitten) variierende Formulierungen für die Studierenden in beiden Räumen.

(tick) Überdenken Sie Ihre Positionierung im physischen Raum:

  • Wählen Sie einen Standort, wo sie die Studierenden sowohl im virtuellen als auch im physischen Raum gleichermaßen im Blick haben und adressieren können.
  • Der Standort sollte zusätzlich so gewählt sein, dass Sie auch von den Studierenden in beiden Räumen gesehen werden können.
  • Versuchen Sie beim Sprechen für alle Beteiligten gut sichtbar zu sein, um Lippenlesen zu ermöglichen.
  • Machen Sie Studierende auf die Untertitelfunktion von Webex aufmerksam oder aktivieren Sie diese am Webex Board, um Studierenden vor Ort und online ein Mitlesen des Gesagten zu ermöglichen.

(tick) Holen Sie sich Hilfe für die Moderation:

  • Die Co-Moderator*innen können z. B. den Chat der Videokonferenz beobachten oder die Reihenfolge der Wortmeldungen festhalten.
  • Eine zweite Lehrperson oder ein*e Studierende*r vor Ort kann diese Rolle übernehmen.


Aktivierung in hybriden Settings

Zur Aktivierung in hybriden Settings bieten sich Aufgaben an, welche Studierende individuell und ortsunabhängig bearbeiten können:


Audience Response

Kurze Umfragen und Abstimmungen können mittels Votingo erstellt und in die Lehrveranstaltung (z.B. als QR-Code) oder im Lernmanagementsystem Blackboard zur Verfügung gestellt werden. Die Fragen werden beantwortet, die Ergebnisse direkt in der Präsentation visualisiert und ausgehend davon im Plenum thematisiert. Umsetzungsempfehlungen zu Votingo finden Sie im FAQ-Wiki von CeDiS.

One-Minute-Paper oder "Minutenpapier"

Die Studierenden schreiben alleine innerhalb einer Minute ihre Gedanken zu einer bestimmten Frage auf (z.B. können sie ihren persönlichen "muddiest point" beschreiben: "Was habe ich heute am wenigsten / gar nicht verstanden?"). Das Minutenpapier kann anschließend der Lehrkraft zur Auswertung oder zur Vorbereitung der nächsten Sitzung übergeben/geschickt werden (vgl. Hoffmann/Kiehne: Ideen für die Hochschullehre, S. 53).

Blitzlicht

Reihum wirft jede*r Teilnehmer*in ein Blitzlicht auf einen Aspekt der Sitzung ("Welche Erkenntnis nehme ich heute mit?"). Diese individuelle Aufgabe eignet sich gut für die Abschlussreflexion einer Sitzung. Im hybriden Setting kann für das Blitzlicht ein Reißverschluss-System verwendet werden: Jeweils ein*e Teilnehmer*in aus dem physischen und eine*r aus dem virtuellen Raum wechseln sich ab. Um die gegenseitige Sichtbarkeit zu stärken können sie sich gegenseitig nominieren.


Gruppenarbeit in hybriden Settings

In hybriden Settings unterscheiden wir asynchrone und synchrone Gruppenarbeiten. Asynchron bedeutet, dass die Gruppenarbeit nicht während, sondern zwischen den Sitzungen stattfindet (z.B. Forschungsgruppen, Referatsvorbereitung). Synchrone Gruppenarbeit findet während einer Sitzung statt. Die beiden Arten der Gruppenarbeiten lassen sich auch miteinander kombinieren.

Asynchrone Gruppenarbeiten

Sitzungsübergreifende Gruppenarbeiten eignen sich gut für die Vorbereitung von Referaten, das kollaborative Bearbeiten von Forschungsfragen oder die Produktion und Redaktion von (Online-)Inhalten. Asynchrone Gruppenarbeiten etablieren nachhaltige Beziehungen zwischen den Studierenden und stärken in hybriden Settings den Zusammenhalt auch raumübergreifend (physisch/virtuell).

(info) Moderationsgruppen sind eine Sonderform der studentischen Referatskooperation (vgl. Praxistipp "Moderationsgruppen in hybriden Settings" - Sommersemester 2023 #2):

  • Studierende leiten und moderieren die synchrone Diskussion.
  • Dafür bereiten sie in Abstimmung mit der Lehrperson ein Handout vor, welches den Diskussionsverlauf vorstrukturiert.
  • Der Peer-Faktor steigert die Motivation für die übrigen Studierenden, sich an der Diskussion zu beteiligen.

Synchrone Gruppenarbeiten

Es ist sinnvoll, Gruppen unter Studierenden zu bilden, die sich im selben Raum (physisch oder virtuell) befinden. Raumübergreifende Zusammenarbeit erfordert einen zusätzlichen Moderationsaufwand und eine höhere Selbstdisziplin der vor Ort teilnehmenden Studierenden: Sie müssen alle mit geeigneten Endgeräten und Headsets ausgestattet sein und sich in die Videokonferenz einwählen, um gemeinsam mit den Studierenden im virtuellen Raum Break-out-Sessions zu bilden.

(tick) Folgende Methoden sind in hybriden Settings gut umsetzbar:

Think-Pair-Share oder "Murmelgruppen"

  • Studierende denken zunächst individuell über eine Fragestellung nach, besprechen ihre Gedanken im nächsten Schritt zu zweit in Kleingruppen und teilen abschließend ihre Ergebnisse mit dem Plenum.
  • Am digitalen Whiteboard können die Ergebnisse raumübergreifend festgehalten werden.
  • In der Share-Phase sollen die Gruppen im physischen und im virtuellen Raum abwechselnd ihre Ergebnisse teilen, jede Gruppe nominiert dafür die nächste Gruppe.
  • Eine detaillierte Beschreibung dieser Methode finden Sie in Hoffmann/Kiehne, Ideen für die Hochschullehre, S. 55.

"Diskussion mit Gruppenschutz"

  • Die Studierenden bereiten in Kleingruppen unterschiedliche Perspektiven einer Diskussion vor und sammeln Argumente.
  • Jede Gruppe wählt eine*n Delegierte*n, welche*r für die Gruppe in die Diskussion geht und diese führt.
  • Es empfiehlt sich einen hybriden Gesprächskreis zu bilden, indem sich die Studierenden vor Ort näher zur Kamera positionieren und die virtuellen Diskutant*innen per Webex-Bühnenansicht am Board angeheftet werden.
  • Eine detaillierte Beschreibung dieser Methode finden Sie in Hoffmann/Kiehne, Ideen für die Hochschullehre, S. 27.


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