Auf organisatorischer Ebene bedeuten hybride Settings stets die Notwendigkeit klarer Verhaltensregeln für alle Beteiligten. Diese müssen speziell für das hybride Format entwickelt und zu Beginn der Veranstaltung bzw. des Semesters mit den Studierenden besprochen (ggf. im Anschluss daran nochmals an die Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst) werden. Folgende Hinweise betreffen Themen für dieses Vorgespräch mit allen Beteiligten sowie weitere Tipps und Fragestellungen zur Klärung im Vorfeld einer Veranstaltung.

Virtuelle und physische Präsenz

Flexibilität in der Raumentscheidung

(tick) Studierende können frei wählen, ob sie vor Ort oder online teilnehmen wollen.

(tick) Bei der Raumbuchung sollte darauf geachtet werden, dass theoretisch alle Teilnehmenden vor Ort sein können, um ein beschränktes Platzangebot im physischen Raum (und damit verbundenen organisatorischen Mehraufwand) zu vermeiden.

Gegenseitige Sichtbarkeit

(tick) Im Sinne der raumübergreifenden Sichtbarkeit sollten die online Teilnehmenden dazu aufgefordert werden, die Kamera zu aktivieren. 

(tick) Warm-up-Spiele können niedrigschwellig zur Motivation beitragen, die Kamera einzuschalten.

Post-It-Kacheln

Hier werden die Online-Teilnehmenden gebeten, ihre Kamera mit Post-its abzudecken. In hybriden Settings können parallel dazu die Teilnehmenden vor Ort angehalten werden, ihre Köpfe auf dem Tisch abzulegen und die Augen zu schließen. Die Lehrperson nennt nun der Reihe nach unterschiedliche Kriterien und die Teilnehmenden, auf welche das jeweils Genannte zutrifft, entfernen das Post-it bzw. heben den Kopf vom Tisch, damit sich alle innerhalb der Kriteriengemeinschaft sehen können. Eine genaue Beschreibung dieser Methode im digitalen Setting finden Sie im Methodenset zur digitalen Interaktion von Seidl/Kolbert (S.8).

Es kann vorkommen, dass sich der Anteil der Online-Teilnehmenden im Lauf eines Semesters kontinuierlich vergrößert. Wenn die Lehrperson dies als störend empfindet, sollten die Studierenden im Vorgespräch entsprechend darauf hingewiesen werden. Bei dieser Gelegenheit sollten auch weitere Fragen geklärt und besprochen werden:

  • Weshalb wird die Lehrveranstaltung hybrid angeboten?
  • Ist der virtuelle Raum nur eine Ausweichmöglichkeit, wenn Studierende in Ausnahmefällen an der Teilnahme vor Ort gehindert sind?
  • Gibt es andere didaktische oder organisatorische Gründe für das hybride Angebot?
  • Gibt es Studierende, welche ausschließlich online teilnehmen können/wollen?
  • Gibt es eine Mindestanzahl von Studierenden, die physisch anwesend sein sollten, um das hybride Lehr-Lern-Szenario umsetzen zu können?


Geräuscharmes Verhalten

Bei einem akustischen Testlauf können die Übertragungsqualität störende Geräusche (z.B. Tastatur bei Mitschrift, Taschen/Stifte auf Tisch, Stühle rücken) im physischen Raum identifiziert werden. Die Personen vor Ort sollten dazu angehalten werden, als störend identifizierte Geräusche zu unterlassen.

(tick) Optional hilft die Anbringung eines Memo-Plakats im phyischen Raum, damit zu vermeidende Verhaltensweisen für alle vor Ort visualisiert sind.

Informeller Austausch vor und nach der Veranstaltung

Studierende im virtuellen Raum werden bei Betreten des Raums meist automatisch auf stumm gestellt, das ist bei Studierenden vor Ort nicht so.

  • Studierende vor Ort sollten dazu angehalten werden, sich bei/nach Betreten des physischen Raums (bzw. spätestens bei Einnahme ihrer Sitzplätze) leise zu verhalten.
  • Um gegenseitigen Austausch unter vor Ort anwesenden Kommiliton*innen zu ermöglichen, könnte eine "Tratschecke" in einer Ecke oder außerhalb des physischen Raums eingerichtet werden.
  • Wenn möglich, ist auch für die virtuell Teilnehmenden eine Gelegenheit zum informellen Austausch einzurichten. Z.B. kann die Videokonferenz 15 Minuten vor Veranstaltungsbeginn gestartet werden, sodass die Teilnehmenden die Möglichkeit haben in Breakout-Rooms veranstaltungsunabhängig miteinander zu sprechen.


Diskussionen und Wortmeldungen

Inwiefern sollen die Studierenden aus physischem und virtuellem Raum miteinander kommunizieren? Welches Format ist dabei wünschenswert?

Bidirektionale Kommunikation

Wie werden die Wortmeldungen von Studierenden im physischen Raum in den virtuellen Raum übertragen?

  • Bei einfachen Rückfragen zum Stoff können diese von den Online-Teilnehmenden im Chat gestellt werden. Fragen der Teilnehmenden vor Ort können von der Lehrperson (oder der Moderator*in) für die Teilnehmenden im virtuellen Raum wiederholt werden.
  • Bei diskursiven Veranstaltungen empfiehlt sich für die Übertragung der Fragen vor Ort in die Videokonferenz die Verwendung eines oder mehrerer Funk- oder Wurfmikrofone. Die Studierenden vor Ort sollten daraufhin sensibilisiert werden, dass sie mit ihren Redebeiträgen warten müssen, bis sie in das Mikrofon sprechen können.

Diskussions- und Kommunikationsregeln

Im Vorgespräch sollten folgende Fragen mit den Studierenden geklärt werden:

  • Soll es bei Wortmeldungen in Diskussionen eine vorab fixierte Reihenfolge geben, wenn nicht nachvollzogen werden kann, wer sich zuerst gemeldet hat (z.B. Reißverschluss-System)?
  • In welcher Form sollen die Studierenden im virtuellen Raum ihre Fragen stellen (z.B. nur per Wortmeldung oder auch schriftlich im Chat)?
  • Wird es auch für die Studierenden im physischen Raum die Möglichkeit geben, ihre Fragen schriftlich zu stellen (z.B. mittels Einrichtung einer offenen Votingo-Frage)?

Verringerte Anzahl sprechender Personen

Bei Diskussionen in hybriden Settings kann es sinnvoll sein, die Anzahl der diskutierenden Personen zu verringern, um den Moderationsaufwand gering zu halten. Dafür eignen sich z.B. folgende Methoden:

Fishbowl-Diskussion

  • Nur ein Teil der Studierenden führt die Diskussion, während die übrigen als Beobachter*innen und Analytiker*innen fungieren.
  • Die nicht diskutierende Gruppe erstellt - individuell oder kollaborativ - eine Dokumentation der geführten Diskussion.
  • Es empfiehlt sich einen hybriden Gesprächskreis zu bilden, indem sich die Studierenden vor Ort näher zur Kamera positionieren und die virtuellen Diskutant*innen per Webex-Bühnenansicht am Board angeheftet werden.

"Diskussion mit Gruppenschutz"

  • Die Studierenden bereiten in Kleingruppen unterschiedliche Perspektiven einer Diskussion vor und sammeln Argumente.
  • Jede Gruppe wählt eine*n Delegierte*n, welche*r für die Gruppe in die Diskussion geht und diese führt.
  • Es empfiehlt sich einen hybriden Gesprächskreis zu bilden, indem sich die Studierenden vor Ort näher zur Kamera positionieren und die virtuellen Diskutant*innen per Webex-Bühnenansicht am Board angeheftet werden.
  • Dieses Szenario ist angelehnt an die gleichnamige Methode bei Hoffmann/Kiehne, Ideen für die Hochschullehre, S. 27

Feedback

(tick) In der Semesterplanung sollten regelmäßig Zeitabschnitte für Feedbackgespräche bezüglich des hybriden Formats eingeplant werden.

(tick) Zur Vorbereitung einer Gesprächsgrundlage kann ein kompakter Fragekatalog von den Studierenden anonym (per Votingo) beantwortet werden.

  • No labels